Eine Einführung in die Sprachkritik des Themenschwerpunkts „sich persönlich und beruflich vorstellen“

 

 

I           Sprache als Selbststrukturierung durch eine vorgefertigte Bedeutungsumwelt [1] bis zur

Selbstentfremdung > Textauszüge aus Kaspar von Peter Handke 1967[2]:)

 

II          Sprache als Konstruktion der Wirklichkeit durch Abstraktion (Artikel von L. Verdycken[3])

 

III         Sprache als manipulierte Konstruktion der Wirklichkeit (Artikel von L. Verdycken)

 

IV         Sprache als Diskurs (Montage von Textauszügen[4] zum Ingenieurberuf)

 

 

I Sprache als Selbststrukturierung durch eine vorgefertigte Bedeutungsumwelt [5] bis zur

Selbstentfremdung > Textauszüge aus Kaspar von Peter Handke 1967

 

 

 

 

 

 

1 Anhand des ersten Textauszugs definieren Sie das Chaos, in dem Kaspar herumhantiert und die strukturierende Funktion der Sprache, wie sie von den Einsagerstimmen dargestellt wird.

 

Schieben o o pousser

Sich verfangen ici s’attraper les pieds

Tritt, der coup de pied

Sich dumm stellen: faire l’idiot

Sich behaupten s’affirmer

Bezeichnen ici désigner

Gegenstand, der ä-e objet

Aus dem Weg räumen déblayer, enlever

 

 

 

 

 

2 Anhand des zweiten Textauszugs klassifizieren Sie die durch die Sprache entstandene Wirklichkeit[6].

 

Leugnen: nier

Wach: éveillé

Verbinden sich ici se bander

Im Vergleich zu: en comparaison

Verhältnismäßig proportionnel

Aus/treiben ie ie chasser

 

 

 

 

 

3 „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“ (Ludwig Wittgenstein[7]).

Welche Grenzen der Sprache und der Welt von Kaspar werden hier in Frage gestellt?

 

Genügsam: qui se suffit de peu

Ansprüche stellen avoir des exigences

Wesen, das ici être

Tadel, der blâme réprobation

Auskunft, die ü-e renseignement

Unbescholten irréprochable, intègre

Vorwärts en avant

 

 

 

 


Lückentexte zu Vokabeln

1

Das Chaos lässt sich zuerst als eine ------------------------------------der Figur definieren. Chaos bedeutet hier, dass der -------------------nicht als oben und unten, als rechts und links, als vorne und hinten ------------------------------- wird (siehe Kaspar, der den Stuhl räumlich nicht einordnen kann). Chaos bedeutet ferner, dass der -----------------------zwischen der objektiven Welt der Gegenstände[8] und der subjektiven Welt des wahrnehmenden Subjekts aufgehoben wird, so dass das intentionale ------------------------------------„von etwas“ ausser Kraft gesetzt wird, daher das sinnlose Schieben vom Stuhl. Chaos bedeutet letztlich ein Universum der Wörter, die mysteriös etwas auszusagen ----------------------, wobei es unmöglich ist, weder logisch, noch affektiv, sie zu verstehen. Diese Wörter werden zum --------------------- einer hilflosen Figur, die dumm da steht.

Bewusstsein, das - / Raum, der ä-e / Symbol, das e / Orientierungslosigkeit, die en/ Unterschied, der e / etw wahrnehmen / scheinen /

 

2

Die strukturierende Funktion der Sprache dagegen wird explizit durch die Einsagerstimmen definiert. Diese Programmerklärung ---------------------------- gebieterisch und psalmodisch (siehe die------------------------- , die Infinitivstrukturen, die Enge der parataktischen Syntax). Die Sprache strukturiert wie ein Kloster: einengend und sakral. Die Wörter -------------------------- die Rolle des Klassifizierens, des Einordnens einer „pensée sauvage“. So heißt es „ alles bezeichnen, was sich dir in den Weg stellt … dir alle ----------------------- vertraut machen.“ Hier geht es darum, die ordnungsstiftende Rolle der Sprache theatralisch zu demonstrieren: Der sprechende Kaspar wird den Stuhl aufräumen können. Die Wörter hierarchisieren, indem sie normativ ---------------------- und so wird Kaspar sich „mit dem Satz gegen andere Sätze behaupten.“ Die Sprache entsteht in der -----------------------------zwischen dem Ich und der objektiven Welt der Gegenstände: „Mit diesem Satz gehören alle Gegenstände der Welt zu dir“. Die Sprache ist ein sich selbst und die Welt strukturierendes -------------------------, wodurch der Mensch sich die Welt der ----------------------------und Wahrnehmungen aneignet (siehe die Begriffe Substanz/ Universum: metaphysische Aneignung eines religiös veranlagten Menschen, physikalische Aneignung durch eine mathematisierende --------------------).

Erfolgen/ Gegenstand, der ä-e / Vernunft, die / Wiederholung / Wechselwirkung/ übernehmen / abgrenzen / handeln / Eindruck, der ü-e /

 

3

Die durch die Sprache entstandene Wirklichkeit -------------------in der Möglichkeit einer Zeitwahrnehmung und einer Chronologie, denn die Laute, die gesprochen werden, materialisieren die ----------------------Zeit „ du hast einen Satz, den du von Anfang zum Ende sprechen [kannst].“ Diese Chronologie ist aber reversibel: “und vom Ende zum Anfang sprechen kannst, was die empirischen -------------------------- widerlegt. So demontiert sich diese durch die Sprache entstandene ----------------------------- als Wiederholung. Denn wenn die Sprache Anfang und Ende austauschen kann, ohne selber ein Chaos zu sein und ohne die Wirklichkeit dadurch zu einem Chaos zu führen, dann ist sie sinnlos[9]. Und wenn die Sprache Anfang und Ende ------------------------------ kann, und dabei die Wirklichkeit zu einem Chaos führt, dann ist sie auch in diesem Fall sinnlos.

Ein anderer Aspekt dieser Wirklichkeit wird durch eine Auflistung von Sprechakten -------------------------, die die Modalität der Existenz der Wirklichkeit deklinieren in „etwas ist (bejahen), etwas ist nicht (verneinen), ich will, dass etwas, was ist, nicht ist (leugnen). So dass man zu der --------------------------- kommen muss, dass das, was wirklich ist, nur in den von einem Subjekt gesprochenen Sprechakten wirklich sein kann und muss und nicht ------------------------- der Sprache. Die Sprache fungiert also als ordnungsstiftendes ----------------------, das Unterscheidungen zwischen sein und nicht sein, zwischen „ Ordnung“ und „Unordnung“ durchführt, und normativ alles Wirkliche  ------------------- und manipuliert („mit dem du jede Unordnung zur Ordnung erklären kannst“). Man denke nur an die politischen Reden, die jeder Zeit in allen Regierungen bestimmte -------------------------- für ordnungsgemäß oder gesetzwidrig (siehe Algerienkrieg und die Unterscheidung zwischen „résistant“ et „terroriste/ rebelle“) erklären, oder auch für notwendig und  ------------------------- (siehe Globalisierungsthematik) erklären. Erfahrung, die en/ System, das e/ Ereignis, das sse/ Bestehen / austauschen / außerhalb +gen/ verlaufen sich / verdeutlichen/ Wirklichkeit, die en/ Schlussfolgerung, die en/ einordnen / unabwendbar inéluctable/

4

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“. Kaspar glaubt, im-----------------, wo er sich vorstellt, etwas über sich selbst, wie er wirklich ist, zu sagen „ich bin gesund und kräftig, ich bin ehrlich und genügsam …“. Er -------------------- -sich aber in zweierlei Hinsichten: einerseits weil er von den -----------------seiner Sprache gefangen ist, identifiziert er sich mit den herrschenden Werten, die sich in der Sprache weiter und immer wieder neu duplizieren. Kaspar ist ------------------------infiziert von diesen Werten und glaubt dabei sich frei dafür -------------------------zu haben. So wie er über sich spricht, und sich mit der Sprache identifiziert, so grenzt er sich auch ab, wie die Sprache es auch haben „will“. Er spricht nicht über sich selbst, sondern „------------spricht durch ihn“. Andererseits meint er sich als lebendiges Subjekt durch dieses ------------------------ darzustellen, wobei er zu dem mechanischen Objekt (siehe Parataxe, --------------------------der Sätze und Kürze der Strukturen, Wiederholung von ------------------------ Ausdrücken…) der Sprache in ihm degradiert wird: „man spricht durch es“.

Augenblick, der e/ sozusagen / täuschen, sich / man / Wert, der e/ entscheiden, sich / Vorstellen, das / Durcheinander / bestimmt/

1

Das Chaos lässt sich zuerst als eine Orientierungslosigkeit der Figur definieren. Chaos bedeutet hier, dass der Raum nicht als oben und unten, als rechts und links, als vorne und hinten wahrgenommen wird (siehe Kaspar, der den Stuhl räumlich nicht einordnen kann). Chaos bedeutet ferner, dass der Unterschied zwischen der objektiven Welt der Gegenstände[10] und der subjektiven Welt des wahrnehmenden Subjekts aufgehoben wird, so dass das intentionale Bewusstsein „von etwas“ ausser Kraft gesetzt wird, daher das sinnlose Schieben vom Stuhl. Chaos bedeutet letztlich ein Universum der Wörter, die mysteriös etwas auszusagen scheinen, wobei es unmöglich ist, weder logisch, noch affektiv, sie zu verstehen. Diese Wörter werden zum Symbol einer hilflosen Figur, die dumm da steht.

2

Die strukturierende Funktion der Sprache dagegen wird explizit durch die Einsagerstimmen definiert. Diese Programmerklärung erfolgt gebieterisch und psalmodisch (siehe die Wiederholungen, die Infinitivstrukturen, die Enge der parataktischen Syntax). Die Sprache strukturiert wie ein Kloster: einengend und sakral. Die Wörter übernehmen die Rolle des Klassifizierens, des Einordnens einer „pensée sauvage“. So heißt es „ alles bezeichnen, was sich dir in den Weg stellt … dir alle Gegenstände vertraut machen.“ Hier geht es darum, die ordnungsstiftende Rolle der Sprache theatralisch zu demonstrieren: Der sprechende Kaspar wird den Stuhl aufräumen können. Die Wörter hierarchisieren, indem sie normativ abgrenzen und so wird Kaspar sich „mit dem Satz gegen andere Sätze behaupten.“ Die Sprache entsteht in der Wechselwirkung zwischen dem Ich und der objektiven Welt der Gegenstände: „Mit diesem Satz gehören alle Gegenstände der Welt zu dir“. Die Sprache ist ein sich selbst und die Welt strukturierendes Handeln , wodurch der Mensch sich die Welt der Eindrücke und Wahrnehmungen aneignet (siehe die Begriffe Substanz/ Universum: metaphysische Aneignung eines religiös veranlagten Menschen, physikalische Aneignung durch eine mathematisierende Vernunft).

3

Die durch die Sprache entstandene Wirklichkeit besteht in der Möglichkeit einer Zeitwahrnehmung und einer Chronologie, denn die Laute, die gesprochen werden, materialisieren die verlaufende Zeit „ du hast einen Satz, den du von Anfang zum Ende sprechen [kannst].“ Diese Chronologie ist aber reversibel: “und vom Ende zum Anfang sprechen kannst, was die empirischen Erfahrungen widerlegt. So demontiert sich diese durch die Sprache entstandene Wirklichkeit als Wiederholung. Denn wenn die Sprache Anfang und Ende austauschen kann, ohne selber ein Chaos zu sein und ohne die Wirklichkeit dadurch zu einem Chaos zu führen, dann ist sie sinnlos[11]. Und wenn die Sprache Anfang und Ende austauschen kann, und dabei die Wirklichkeit zu einem Chaos führt, dann ist sie auch in diesem Fall sinnlos.

Ein anderer Aspekt dieser Wirklichkeit wird durch eine Auflistung von Sprechakten verdeutlicht, die die Modalität der Existenz der Wirklichkeit deklinieren in „etwas ist (bejahen), etwas ist nicht (verneinen), ich will, dass etwas, was ist, nicht ist (leugnen). So dass man zu der Schlussfolgerung kommen muss, dass das, was wirklich ist, nur in den von einem Subjekt gesprochenen Sprechakten wirklich sein kann und muss und nicht außerhalb der Sprache. Die Sprache fungiert also als ordnungsstiftendes System, das Unterscheidungen zwischen sein und nicht sein, zwischen „ Ordnung“ und „Unordnung“ durchführt, und normativ alles Wirkliche einordnet und manipuliert („mit dem du jede Unordnung zur Ordnung erklären kannst“). Man denke nur an die politischen Reden, die jeder Zeit in allen Regierungen bestimmte Ereignisse für ordnungsgemäß oder gesetzwidrig (siehe Algerienkrieg und die Unterscheidung zwischen „résistant“ et „terroriste/ rebelle“) erklären, oder auch für notwendig und unabwendbar (siehe Globalisierungsthematik) erklären.

4

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“. Kaspar glaubt, im Augenblick, wo er sich vorstellt, etwas über sich selbst, wie er wirklich ist, zu sagen „ich bin gesund und kräftig, ich bin ehrlich und genügsam …“. Er täuscht sich aber in zweierlei Hinsichten: einerseits weil er von den Werten seiner Sprache gefangen ist, identifiziert er sich mit den herrschenden Werten, die sich in der Sprache weiter und immer wieder neu duplizieren. Kaspar ist sozusagen infiziert von diesen Werten und glaubt dabei sich frei dafür entschieden zu haben. So wie er über sich spricht, und sich mit der Sprache identifiziert, so grenzt er sich auch ab, wie die Sprache es auch haben „will“. Er spricht nicht über sich selbst, sondern „man spricht durch ihn“. Andererseits meint er sich als lebendiges Subjekt durch dieses Vorstellen darzustellen, wobei er zu dem mechanischen Objekt (siehe Parataxe, Durcheinander der Sätze und Kürze der Strukturen, Wiederholung von bestimmten Ausdrücken…) der Sprache in ihm degradiert wird: „man spricht durch es“.



[1] monde de signification

[2] österreichischer Schriftsteller, Studium der Philosophie und der Sozialwissenschaften, Verfassung von Filmskripten (Hammet, der Himmel über Berlin)

[3] Deutscher Philosoph, Mitarbeit an der Mauthner-Gesellschaft, Sprachkritik durch Sprachanalyse

[4] aus dem Memorandum zum Weltingenieurtag in Hannover 2000, aus der Commission des Titres de l’Ingénieur, aus dem Internet-Portal Centrale Paris, Egim

[5] monde de signification

[6]  das Seiende oder Wirkende. Bei Kant : Kategorien der Modalität des Seienden: Möglichkeit, Wirklichkeit , Notwendigkeit

[7] österreichischer Sprachphilosoph, Anfang des 20 Jahrhunderts, sehr interessante Persönlichkeit: Studium der Ingenieurwissenschaften, dann der Philosophie , Mitglied des Wiener Kreises. Zusammenarbeit mit Bertrand Russel in Cambridge, Professor für Philosophie in Cambridge (dann auch Gärtner und Dorfschullehrer) logische Analyse von Sätzen, Abkehr der Sprache der Metaphysik als logisch untauglich, logische Analyse der philosophischen Sätze Wittgenstein 2: Sprache als Sprachspiele und konventionell bedingt, die Bedeutung eines Ausdrucks = Gebrauch  in verschiedenen kommunikativen Situationen. Berühmte Werke: 1922 Tractatus Philosophicus, „1.Die Welt ist alles, was der Fall ist. 1.1 Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge“, Philosophische Untersuchungen 1953 (posthum)

[8] Im Sinne von “was uns gegenübersteht”, was uns als Medium einer Wahrnehmung oder Empfindung gegeben ist

[9] im Sinne von Frege: logisch unmöglich, d.h. kann nicht durch die empirische Erfahrung widerlegt oder verifiziert werden

[10] Im Sinne von “was uns gegenübersteht”, was uns als Medium einer Wahrnehmung oder Empfindung gegeben ist

[11] im Sinne von Frege: logisch unmöglich, d.h. kann nicht durch die empirische Erfahrung widerlegt oder verifiziert werden